Das erste Headset landet meist über einen Fachbereich im Haus — nicht über die IT. Diese Checkliste hilft dir, es kontrolliert und sicher ins Netz zu bringen, bevor aus einem Pilotprojekt ein blinder Fleck wird. Gedacht als Leitfaden zum Abhaken, nicht als Doktorarbeit.
1. Bestandsaufnahme & Freigabe
- Welche Geräte sind bereits im Haus — auch inoffiziell beschaffte? (Schatten-IT aufdecken.)
- Welcher konkrete Anwendungsfall wird verfolgt, und ist er das Risiko wert?
- Gibt es einen benannten Verantwortlichen im Fachbereich als Ansprechpartner?
- Ist der Einsatz mit Datenschutz und ggf. Betriebsrat abgestimmt? (Kamera am Arbeitsplatz!)
2. Netzwerk-Segmentierung
Der wichtigste Hebel. Ein Headset gehört nicht ins allgemeine Client- oder Server-Netz.
- Eigenes VLAN / eigenes SSID nur für XR-Geräte einrichten.
- Per Firewall-Regel nur die zwingend nötigen Ziele erlauben (Whitelist statt „alles raus").
- Zugriff auf interne Ressourcen (Fileserver, AD, Management-Netze) standardmäßig sperren.
- Client-Isolation aktivieren, damit Geräte im selben WLAN sich nicht gegenseitig sehen.
- Herstellerspezifische Cloud-Ziele dokumentieren — die brauchen die Geräte für Updates/Login.
3. Identität & Zugriff
- Lässt sich das Gerät an die vorhandene Identität anbinden (Entra ID / SSO)?
- Pro Person ein Konto — keine geteilten Sammel-Logins, wo es sich vermeiden lässt.
- Multi-Faktor-Authentifizierung möglich? Wenn ja: aktivieren.
- Wie wird ein verlorenes oder gestohlenes Gerät gesperrt (Remote-Wipe / Deaktivierung)?
- Biometrische Entsperrung (Iris/Hand) bewusst konfigurieren, nicht einfach „an" lassen.
4. Gerätehärtung & Updates
- Automatische Firmware-/OS-Updates aktivieren — oder festen Update-Turnus definieren.
- Nicht benötigte Funktionen deaktivieren: Bluetooth-Kopplung, Casting/Streaming, Dev-Modus.
- App-Installation einschränken — idealerweise nur freigegebene Anwendungen.
- Passcode/PIN für das Gerät erzwingen, automatische Sperre nach Inaktivität.
- Lässt sich das Gerät in ein MDM einbinden? Wenn ja, in die bestehende Verwaltung aufnehmen.
5. Daten & Datenschutz
- Welche Daten erfasst das Gerät (Raum-Scans, Blick-, Handdaten) und wo werden sie gespeichert?
- Verlassen personenbezogene oder biometrische Daten das Gerät? Wohin, zu welchem Anbieter?
- Liegt für Cloud-Verarbeitung ein AV-Vertrag (Art. 28 DSGVO) vor?
- Datensparsamkeit prüfen: lässt sich lokale statt Cloud-Verarbeitung wählen?
- Klare Regel für private Nutzung / Nutzung außerhalb des Firmengeländes.
6. Betrieb & Beschaffung
- Standard-Prozess für Ausrollen, Rückgabe und Entsorgung (Speicher sicher löschen!).
- Ansprechpartner und Support-Weg für Nutzer definiert.
- Freigabeliste für zulässige Modelle — nicht jedes Consumer-Gerät ins Haus lassen.
- Logging: Werden Zugriffe der XR-Zone protokolliert und ausgewertet?
Fazit
AR-/VR-Headsets sind beherrschbar, wenn man sie früh wie das behandelt, was sie sind: mächtige, sensorreiche Endgeräte. Die Prinzipien sind vertraut — Segmentierung, Identität, Patch-Disziplin, Datensparsamkeit. Wer diese Checkliste einmal durchgeht, ist auf das erste offizielle Gerät im Haus vorbereitet, statt hinterherzurennen.
Mehr zum Hintergrund im Grundlagen-Artikel: Was ist Spatial Computing? Und was bedeutet es für IT-Security?